Modellfotografie  Teil 1 : Innenaufnahmen

Oft werde ich gefragt wie ich die Fotos meiner Modelle mache. Wer meine Seiten aufmerksam betrachtet wird erkennen das auch dies ein längerer Lernprozess bei mir war. Von Vornherein möchte ich gleich sagen das ich vom Fotografieren eigentlich gar keine Ahnung habe.
Weshalb ich mir eine Digitalkamera zulegte. Diese (Canon Powershot G1) ist nun schon etwas in die Jahre gekommen - aber für meine Zwecke ist sie vollkommen ausreichend. Wenn ich im folgenden also spezielle Kameraeinstellungen anspreche, so betreffen diese vor allem Canon-Modelle. Nutzer anderer Kameras schauen einfach mal im Handbuch nach.

Mit ein wenig Überlegung und Planung  sind mit relativ einfachen Mitteln brauchbare Fotos vom Modell machbar.
Der erste Ansatzpunkt ist das Umfeld - wir wollen das Bild auf das Modell reduzieren. Oftmals wird nun versucht auf den Fußbodenfliesen oder sonstiger Beläge ein passendes "Umfeld" zu erzeugen. Ein passendes Umfeld aber erreichen wir nur durch ein passendes Dioram mit Hintergrund. 
Das aber haben viele nicht oder eben nicht passend zum Modell.
Was nun ?
Einfache Antwort :
Gar kein Umfeld. 
Wir schaffen eine "Neutrale Zone" in der außer dem Modell erst gar nix zu sehen ist - und das geht sehr einfach. 
In Schreibwarenläden oder entsprechenden Abteilungen von Supermärkten und Kaufhäusern gibt es Buntpapiere in verschiedensten Formaten. Das normal größte ist A3 - und das nehmen wir. Die Farbe : ich empfehle Blau. Sieht irgendwie immer am besten aus. 
Beim Kauf/Transport darauf achten : Keine Falten ! Nicht knicken ! - nur ein Zusammenrollen! - das ist wichtig.
Das ist nun unser Umfeld - nun brauchen wir noch den passenden Ort.
Hier bietet sich immer ein Platz in der Wohnung an wo Durch ein möglichst großes Fenster genug Tageslicht einfallen kann. Hier brauchen wir nun eine wand mit einem Tisch oder einer sonstigen Fläche davor die breit genug ist um unser Modell aufzunehmen. Hier nun befestigen wir mit etwas Klebeband das Blaue Papier so das es einfach nach unten fällt - es darf dabei nur oben befestigt werden. 
Ich selber habe mir - um innerhalb der Wohnung je nach Lichteinfall immer mal "umziehen" zu können - eine Vorrichtung aus 2 Möbelplatten gebaut - dies aber braucht man nicht unbedingt. 
Hier sehen wir nun unseren Standort zur Modellfotografie :

Natürlich eine Kamera. Des weiteren ist ein Stativ äußerst empfehlenswert - es geht kaum ohne.
das Tageslicht ist auch nicht immer so wie wir es möchten - ein paar drehbare Lampen ( IKEA hat viel sehr preiswerte Angebote) oder auch ein Bauscheinwerfer ( ich habe einen über der Vorrichtung mit 500Watt) helfen hier gut.
Das Stativ wir nun gerade vor dem Fotostandpunkt aufgebaut - die Höhe der Kameraaufnahme kann dabei gleich auf leicht unterhalb der Unterkante unseres Standpunktes eingerichtet werden. Der Abstand zum Modell beträgt ca. 40cm.

Das Modell ist Mittig auf dem Blauen Papier positioniert. Nun prüfen wir per eigener Augen wie die Schatten fallen : es darf auf jeden Fall kein Schatten an "Rückwand", also den senkrechten Teil des blauen Papiers fallen.
Nun kommen wir zu den Kameraeinstellungen :

Wir haben grundsätzlich 2 Möglichkeiten :
1. Die Kamera entscheidet alles - Einstellung "Automatik"
2. Wir legen selber alles fest - Einstellung "P" oder "AV"

Möglichkeit 1 lassen wir gleich weg, fällt aus, - es geht besser, viel besser mit Möglichkeit 2.

Einstellung " P" :
Hier kann ich einstellen :
- ISO-Empfindlichkeit
- Weisabgleich ( Automatik/Voreinstellung/Manuell - dazu später mehr)
- Bildauflösung
- Kompression
- Makro
- Blitz ( an/ aus/ Rote Augen)
- Fernauslösung/Zeitverzögerte Auslösung

Einstellung "AV" :

alles wie zuvor - hier aber habe ich die zusätzliche Möglichkeit der Blenden-Einstellung. Und das ist wichtig für die Tiefenschärfe - wie ich seit neuesten Dank Toni-Power weis 

Nun machen wir einfach mal ein Foto - Einstellungen :

P - ISO-Automatik, Weisabgleich Voreinstellung "Bewölkt" ( kommt den aktuellen Verhältnissen z.Z. am nähsten), Makro, Kein Blitz
Auflösung : ich nehme bei so etwas immer die höchste, Kompression nehme ich immer die geringste - also bestmöglichste Bildqualität.

Nun zoome ich mir genau den Bildausschnitt heran den ich haben will : Nämlich das Modell ! - es soll den Kompletten Bildbereich ausnutzen.

Beim Scharfstellen per kurzen Auslöserdruck (der noch kein Bild auslöst) sagt die Kamera eventuell per dem "Kamera-Wackel-Symbol" das die Kamera eben auf dem Stativ stehen sollte. Hieran erkennen wir das eine Aufnahme frei aus der Hüfte schön unscharf werden würde.

Das ist schon ganz zufriedenstellend. Einige aber unter uns werden sofort ein Manko feststellen :
Die Tiefenschärfe ist nicht gut. Der Bereich der weiter weg ist ( Bug, Kanzel) ist unscharf.
Deshalb das selbe Bild mit den selben Einstellungen aus der selben Position mit "AV" und hier Blende 8 ( mehr geht bei mir nicht) noch einmal.
Hier "meckert" die Kamera (rote Zahl im Display) das dafür zuwenig Licht ist. Davon lasse ich mich nicht beeindrucken : Digitale Bilder können mit Corel Photopaint und "Tonkurve" ohne Qualitätsverlust und Farbverfälschung sehr gut aufgehellt werden.

So sieht es nun aus - Vergleicht mal den Bugbereich mit vorigen Bild.

Nun mal etwas zum Weisabgleich. 
Der wird oft unterschätzt, nicht genutzt oder falsch verstanden. 

Farben erscheinen unter verschieden Lichtverhältnissen unterschiedlich. Einer Digitalen Kamera kann man über den Weisabgleich eine Art "Farbreferenz" geben um die Farben korrekt darzustellen.
Zunächst hat eine Kamera dafür mehrer Voreinstellungen :

- Weisabgleichautomatik
- Sonnenlicht
- Bewölkt
- Kunstlicht (Glühbirne)
- Kunstlicht (Scheinwerfer)
- Blitz

Mit diesen Einstellungen liefert der Hersteller sozusagen voreingestellte "durchschnittliche Erfahrungswerte".

Anbei ein Beispiel :
von links nach Rechts :

Automatikprogramm + Makro
AV - Programm + Weisabgleich Automatik
AV - Programm + Weisabgleich "Bewölkt"
Ich denke den Farbunterschied erkennt man recht gut - das rechte Bild ist das dessen Farbton dem des Modells in Wirklichkeit am ehesten kommt.

Nun haben wir noch die Option des "manuellen Weisabgleiches "

Hier haben wir die Möglichkeit der Kamera unter den aktuellen gegebenen Lichtverhältnissen die realen Farbwerte zu geben.
Das passiert einzig und allein über die Farbe Weis - warum ?
Aus der Optik wissen wir das in der Farbe Weis das gesamte Farbspektrum enthalten ist.
Was also muss getan werden ? - nun ganz einfach : wir bauen unsere Kamera auf - und bevor wir nun das Modell fotografieren zeigen wir unserer Kamera ( nach Einstellung aller anderen Werte) die Farbe Weis.
Dazu stellen wir die Option "manueller Weisabgleich" ein und halten nun vor das Objektiv ( nicht direkt dran - aber so das das ganze Bildfeld davon ausgefüllt ist) ein sauberes, weises Blatt Papier. Nun drückt man die entsprechende Taste an der Kamera ( bei Canon ist es die * - Taste - nicht der Auslöser) und nun misst die Kamera das Weis des Papiers unter den Lichtverhältnissen die wir aktuell haben. Dieses Weis - und zwar hier wieder die hellste Stelle - wird nun Kameraintern auf die RGB-Werte 255,255,255 ( also weisestes Weis) geschrieben. Somit hat die Kamera nun eine sehr genaue Referenz.
Nun wird so mancher fragen - na Weis na gut - und die anderen Farben ? - ja die werden davon alle mitbeeinflusst.
Im Folgenden nun dasselbe Bild mit manuellen Weisabgleich - achtet mal vor allem auf die Roten Farbtöne und vergleicht sie mit den vorhergehenden Bildern.
Der Manuelle Weisabgleich ist somit die einzigste wirklich ganz genaue Farbtonreferenz für eine Digitale Kamera. 
Aber mit den Voreinstellungen , so denke ich , kann man auch ganz gut leben - aber das perfektesten ist eben der manuelle Weisabgleich.

Oft wird bei diesem Thema das Nachbearbeiten am PC ins Feld geführt. Ich selbst halte das für Unfug. Am PC fehlt jegliche Referenz zu den Wirklichen Lichtverhältnissen - hier werden die Farben vor allem verfälscht. Damit möchte ich auch gleich sagen das ich bei Bildern wie denen von Modellen absolut nix von farblicher Nachbearbeitung am PC halte - einerseits ist dies eine sehr subjektive Sache ( wie sehe ich es, wie will ich es haben, was stellt mein Monitor dar, was stellt die Grafikkarte dar und was die Bildbearbeitung - das sind alles ganz unterschiedliche Paar Schuhe !!!! - viel Spass beim "auf die Reihe" bringen)

Anbei nun das Bild mit manuellen Weisabgleich (das Untere) - wie gesagt auch mal auf die Roten Farben achten :

Gehen wir nun einen Schritt weiter.

Wir haben ein Modell - nun aber mit Grundplatte oder Dioram dazu. Und nun wollen wir das so fotografieren das es wie "Lebensecht" wirkt.

Dazu haben wir wieder 2 Grundsätzliche Möglichkeiten :

- Zu Hause mit künstlichen Hintergrund
- Draußen

Bei beiden Varianten müssen wir eines erreichen :
Das saubere "verbinden" von Grundplatte/ Dioram mit dem Hintergrund.
Dazu ist natürlich ein passender Hintergrund nötig welcher eben gut zur Grundplatte/ Dioram passt.

Beginnen wir mit dem Beispiel zu Hause :

Wo bekommen wir die passenden Hintergründe her ?

Da haben wir z.B. die Möglichkeit nach passenden Postern auf Baumärkten, Möbelhäusern etc zu suchen - solche wo viel Himmel darauf sind. Dieses Poster hier war ursprünglich das Foto eines Karibischen Strandes - der wurde aber unten einfach weggeschnitten. Das Poster hat einen Nachteil : es ist glänzend - hier kann man nicht blitzen und muss generell die Lichtverhältnisse so bewerkstelligen das dieses Poster nix reflektiert.

Damit lassen sich dann schon mal solche Bilder realisieren :

Eine weitere und bessere Möglichkeit ist das Verwenden von selbst fotografierten Hintergründen. Hierzu muss man sich aber passende Motive - also Landschaftspanoramen aussuchen. Wichtig ist dabei das im Vordergrund keinerlei größeren Objekte (Häuser, Bäume, Sträucher etc) sein dürfen. Des weiteren darauf achten das keine Telegrafenmasten, Hochspannungsleitungen, Verkehrsschilder oder Windräder im Bild sind.
Von gelungenen und passenden Fotos lässt man sich dann A3-Abzüge in Matt machen.

Der hier gezeigte Hintergrund lässt sich verschiedenartig einsetzen : es kommt nämlich auch darauf an in welcher Höhe das Modell zum Hintergrund steht. 
Vom Wald sollte nur der obere Rand zu sehen sein - geht man zu tief mit der grundplatte wirkt das Foto unrealistisch.

Im folgenden Bild sieht man was ich meine :
Das Dioram wurde auf einen Karton gestellt - die horizontale gelbe Linie auf dem Hintergrundfoto gibt an ab wo mein Hintergrund auf dem Foto "beginnen" soll -die andere Linie ist faktisch die gedachte Linie von Kamera über Dio zum Hintergrund.

Bei solchen Bildern IMMER bedenken das die Kameraposition die des natürlichen Betrachters entsprechen sollte - wenn man hier aus einem überhöhten Winkel die Bilder macht wirkt alles unrealistisch - die Kamera muss ungefähr die gedachte Position des maßstäblich verkleinerten Beobachters haben.

Die Kamera wird nun entsprechend positioniert - die Einstellungen wie folgt :

- Programm AV
- Weisabgleich Manuell oder Bewölkt
- Makro
- kein Blitz !!!

So haben wir dann zunächst mal das Dio + Hintergrund in der Kamera :

Nun können wir noch das Dio seitlich nach links oder rechts anders positionieren und die Höhe der Kamera auf dem Stativ nachregulieren.

Das Dio wird nun weitest möglichst herangezoomt - dieses Foto haben wir nun :

Im Bildbearbeitungsprogramm wird nun der passende Bildausschnitt herausgeschnitten (Rechteckmaske) - ansonsten bearbeite ich da nix mehr.

Bei dem Fotografieren von Modellen zu Hause im Zimmer hat man nun öfters Probleme mit dem Licht. Das beste und natürlichste Licht spendet unsere Sonne. Der nächste Schritt lautet also :
Wir gehen mit unserem Modell raus ! - dazu mehr im 2. Teil zur Modellfotografie.